Wissenschaftspreis für Physische Geographie, Tübingen 2017

Wortlaut der Laudatio von Prof. Dr. Matthias Braun (Univ. Erlangen-Nürnberg)

Herr Dr. Feilhauer hat sich seit Abschluss seines Studiums der Geoökologie in Bayreuth im Jahr 2006 im Rahmen seiner Promotion am Geographischen Institut der Universität Bonn (2011) und der aktuell laufenden Habilitation am Institut für Geographie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg ein eigenständiges wissenschaftliches Profil in einem sehr dynamischen und innovativen Forschungsfeld erarbeitet. Dieses hat er im Rahmen zahlreicher Aufenthalte als Gastwissenschaftler am Carnegie Department of Global Ecology (Stanford, Californien) und dem Geophysical Institute der University of Alaska, Fairbanks, USA weiter ausgebaut. Der Laureat kombiniert in besonders gekonnter Weise methodische Fragen der Fernerkundung mit vegetationskundlichen und biogeographischen Kartierungen. Dabei setzt er neben klassischen Kartiermethoden im Gelände moderne statistische Verfahren sowie physikalische Strahlungstransfermodelle ein. Hierdurch konnte er erhebliche Fortschritte bei der Erfassung von Artenzusammensetzung der Vegetation, der Detektion invasiver Arten, der Kartierung von Biodiversität, aber auch bei der Ableitung von funktionellen Pflanzenmerkmalen aus Fernerkundungsdaten erzielen. Mit seinen Arbeiten zeigt der Kandidat neue Möglichkeiten auf, räumliche Muster für komplexe Fragestellungen im Bereich des Naturschutzes und für Ökosystemdienstleistungen flächig, objektiv und reproduzierbar zu erfassen. Den erzielten Erkenntnisgewinn bringt er als wissenschaftlicher und technischer Berater in die Anwendung – zuletzt u.a. im Auftrag der Europäischen Union, für die er die Potenziale der Fernerkundung im Rahmen der Umsetzung der Natura 2000-Richtlinie darlegte. Analog zu den Arbeiten des Preisstifters, Prof. Dr. Frithjof Voss, verbindet somit auch Hannes Feilhauer Methoden der Fernerkundung mit gesellschaftlich relevanten Fragestellungen.

Wissenschaftlich hat sich Dr. Hannes Feilhauer bereits einen hervorragenden Ruf in der Community erarbeitet. Dieser wird u.a. durch seine hohe wissenschaftliche Produktivität mit mehr als 25 Publikationen seit 2012 in begutachteten internationalen Zeitschriften als Erst- und Co-Autor eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Zwei unter seiner Mitwirkung entstandene Aufsätze erhielten den Editors Award in den Zeitschriften Journal of Vegetation Science und Computers and Geosciences. Seine internationale Anerkennung wird nochmals unterstrichen durch seine Funktion als Editor für die ISI-Zeitschrift Applied Vegetation Science. Zahlreiche Vorträge, die Hannes Feilhauer auf Einladung gehalten hat, zeugen von der Qualität und Relevanz seiner Forschung und zugleich von der Fähigkeit, die Forschungsergebnisse auch in verständlicher Weise zu kommunizieren. Seine internationalen Kooperationspartner gehören zu den renommiertesten Kollegen im Themenfeld Hyperspektral-Fernerkundung und Ökologie. Zu nennen sind hier beispielsweise das Department of Global Ecology an der Stanford University, die Universität Twente oder die Universität Leuven. National ist Herr Dr. Feilhauer ebenso gut vernetzt und kooperiert mit dem DLR, UFZ, BfN, dem KIT und verschiedenen Universitäten, sowie mit Partnern aus der freien Wirtschaft. Herr Dr. Feilhauer engagiert sich darüber hinaus im Sprechergremium des Arbeitskreises Biogeographie im VGDH.

Der hohe Grad an innovativer wissenschaftlicher Arbeit drückt sich auch durch die eigenständige Akquise von verschiedenen Forschungsprojekten bei DFG, EU Biodiversa sowie beim Belgian Science Policy Office aus.

Die qualitativ sehr hochwertige Lehre Herrn Feilhauers in den Master-, Bachelor- und Lehramtsstudiengängen der Erlanger Geographie wurde 2015 mit dem Preis für gute Lehre der Fachschaftsinitiative ausgezeichnet. Zudem wurde er für den Fakultätslehrpreis nominiert.

 

Verwendung des Preisgeldes

Meine Forschung ist interdisziplinär an der Schnittstelle der Biogeographie und der Luft- und Satellitenbildauswertung angesiedelt. Dafür kartiere ich räumliche Muster in der Verbreitung von Pflanzen- und Tierarten sowie von Merkmalen, die für die Stabilität und das Funktionieren von Ökosystemen verantwortlich sind.

Die so erstellten Karten können als Grundlage für Entscheidungen in der Planung und dem Management von Schutzgebieten dienen, sie ermöglichen es, den Verlust an Biodiversität im globalen Wandel zu erfassen, oder helfen einfach dabei, die Natur besser zu verstehen. Meine Kollegen und ich können so z.B. invasive Pflanzenarten in einem Vogelschutzgebiet erfassen, ohne die Vögel bei der Brut stören zu müssen. Ebenso können wir die Vegetation in einem kampfmittelbelasteten Sperrgebiet untersuchen, ohne die Gefahrenzone betreten zu müssen.

Die Erstellung solcher Karten ist jedoch eine technische Herausforderung, da jede Pflanze anders aussieht und sich dieses Aussehen auch noch im Jahresverlauf verändert. Ein großer Teil meiner Arbeit befasst sich daher mit der Frage, wie man am Besten einem computergestützten Algorithmus beibringt, die untersuchte Pflanzenart in einem Satellitenbild zu entdecken und von anderen Pflanzenarten zu unterscheiden.

Das Preisgeld des Wissenschaftspreises für Physische Geographie hilft mir dabei, entsprechende Gelände- und Labormessungen zur Bestimmung der untersuchten Pflanzenmerkmale zu finanzieren.

Dr. Hannes Feilhauer

Institut für Geographie
Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg
Wetterkreuz 15
D-91058 Erlangen

Tel: +49 (0)9131 85-26680
Fax: +49 (0)9131 8522013

Email: hannes.feilhauer@fau.de
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