Wissenschaftspreis für Physische Geographie

Wortlaut der Laudatio von Prof. Dr. Wilfried Endlicher (HU Berlin)

Tho­mas Mölg ist 1977 in Kitz­bü­hel gebo­ren. Er nahm das Stu­di­um der Geo­wis­sen­schaf­ten mit Geo­gra­phie, Meteo­ro­lo­gie und Geo­phy­sik 1996–2001 in Inns­bruck auf und hat es mit einer Diplom­ar­beit zur Berech­nung der Son­nen­ein­strah­lung (scl) abge­schlos­sen. 2002 und 2003 war er Assis­tent an der Uni­ver­si­tät Inns­bruck bei sei­nem wis­sen­schaft­li­chen Men­tor Georg Kaser und schloss sein Pro­mo­ti­ons­stu­di­um mit einer Dis­ser­ta­ti­on zur Model­lie­rung der Wech­sel­wir­kung Glet­scher Atmo­sphä­re (scl) ab. 2004–2011 war er dann Post­dok­to­rand an der Uni­ver­si­tät Inns­bruck und mit einem Ful­bright-Sti­pen­di­um auch in Ber­ke­ley (Univ. of Cali­for­nia). 2009 erfolg­te die Habi­li­ta­ti­on an der Uni­ver­si­tät Inns­bruck. Von 2011 bis 2013 war Tho­mas Mölg als Hum­boldt-Sti­pen­di­at an der TU Ber­lin bei Prof. Die­ter Sche­rer und seit letz­tem Jahr ist er Pro­fes­sor für Kli­ma­to­lo­gie am Insti­tut für Geo­gra­phie der Uni­ver­si­tät Erlan­gen-Nürn­berg.
Die For­schun­gen von Tho­mas Mölg beschäf­ti­gen sich mit der Wech­sel­wir­kung zwi­schen Kli­ma und Kryo­sphä­re, mit nume­ri­schen Model­lie­run­gen hier­zu sowie anspruchs­vol­len Mes­sun­gen im Hoch­ge­bir­ge zur Vali­die­rung der Model­le. Beson­de­re Auf­merk­sam­keit haben sei­ne Befun­de zum Ver­hal­ten der Glet­scher auf dem Kili­man­dscha­ro her­vor­ge­ru­fen, aber auch in Hoch­a­si­en und den Anden. Sei­ne Ergeb­nis­se hat Herr Mölg u.a. in inter­na­tio­nal hoch­ran­gi­gen Zeit­schrif­ten wie Natu­re Geo­sci­ence, Natu­re Cli­ma­te Chan­ge, Cli­ma­te Dyna­mics usw. publi­ziert.
Tho­mas Mölg dürf­te zu den Wis­sen­schaft­lern mit den meis­ten inter­na­tio­na­len Aus­zeich­nun­gen am Anfang der Kar­rie­re zäh­len, ange­fan­gen vom Son­der­preis des Rek­tors der Uni­ver­si­tät Inns­bruck für beson­de­re Stu­di­en­leis­tun­gen, über das Ful­bright-Sti­pen­di­um und den „Out­stan­ding Young Sci­en­tist Awards“ der Ame­ri­ka­ni­schen Gesell­schaft für Geo­phy­sik und der Euro­päi­schen Gesell­schaft für Geo­wis­sen­schaf­ten (EGU) bis hin zum Alex­an­der-von-Hum­boldt-Sti­pen­di­um für erfah­re­ne Wis­sen­schaft­ler der Hum­boldt-Stif­tung und dem „Ear­ly Care­er Award“ der Leo­pol­di­na, unse­rer Natio­nal Aca­de­my of Sci­en­ces, den er als ers­ter Geo­wis­sen­schaft­ler über­haupt erhielt.
Zu die­sen Prei­sen kommt nun last but not least der Preis der Prof. Dr. Frith­jof Voss Stif­tung für Geo­gra­phie. Wir freu­en uns, dass Herr Mölg sei­ne Kar­rie­re im deutsch­spra­chi­gen Raum fort­setzt und, neben sei­nen For­schun­gen, sein didak­ti­sches Geschick auch der nächs­ten Genera­ti­on von Geo­gra­phin­nen und Geo­gra­phen zu Gute kommt.

Verwendung des Preisgeldes

Im Zen­trum mei­ner For­schung ste­hen phy­si­ka­li­sche Pro­zes­se, die die Wech­sel­wir­kun­gen und Ver­knüp­fun­gen ver­schie­de­ner „Bau­stei­ne“ des Kli­ma­sys­tems bestim­men. Das Haupt­au­gen­merk liegt dabei auf der Bezie­hung zwi­schen der Kryo­sphä­re (Schnee und Eis) im Hoch­ge­bir­ge und den groß­räu­mi­gen Mecha­nis­men im Kli­ma. Im Ent­schlüs­seln die­ser Bezie­hung sind ver­schie­dens­te Aspek­te von Inter­es­se: Pro­zes­se im Oze­an, die über vie­le tau­send Kilo­me­ter und rela­tiv trä­ge ablau­fen, dadurch initi­ier­te Strö­mun­gen in der Atmo­sphä­re, die über Land und vor allem über Gebir­gen stark modi­fi­ziert wer­den, und loka­le meteo­ro­lo­gi­sche Bedin­gun­gen im Hoch­ge­bir­ge, die das dor­ti­ge Glet­scher­ver­hal­ten steu­ern und in hoher zeit­li­cher Fre­quenz schwan­ken; Mehr Wis­sen über die ursäch­li­che Ver­bin­dung die­ser Kom­po­nen­ten hat gro­ßes Poten­zi­al, die Funk­ti­ons­wei­se unse­res Kli­mas bes­ser zu ver­ste­hen – durch ver­schie­de­ne Raum/­Zeit-Dimen­sio­nen des Kli­mas hin­durch und vom Mee­res­ni­veau bis in höhe­re Luft­schich­ten (die mitt­le­re Tro­po­sphä­re). Sol­che Erkennt­nis­se erwei­tern die phy­si­ka­li­sche Basis für Pro­jek­tio­nen des zukünf­ti­gen Kli­mas maß­geb­lich.
Die For­schun­gen erfol­gen an der Schnitt­stel­le zwi­schen Kli­ma­to­lo­gie, dyna­mi­scher Meteo­ro­lo­gie und Gla­zio­lo­gie. Metho­di­sche Schwer­punk­te sind einer­seits Mes­sun­gen im Hoch­ge­bir­ge zwi­schen ca. 3000 und 6000 Metern, mit denen wir in Team­ar­beit neue Daten aus bis­her unbe­prob­ten Luft­schich­ten gewin­nen. Ande­rer­seits ent­wi­ckeln wir mathe­ma­ti­sche Model­le der genann­ten Pro­zes­se (neu oder wei­ter) und füh­ren die­se auf Super­com­pu­tern aus. Das mit dem Wis­sen­schafts­preis 2015 ver­bun­de­ne Preis­geld wird dazu die­nen, künf­ti­ge Mess­kam­pa­gnen oder Bemü­hun­gen in der Model­lie­rung zu unter­stüt­zen.

Prof. Dr. Thomas Mölg

Prof. Dr. Thomas Mölg

Insti­tut für Geo­gra­phie der Fried­rich-Alex­an­der Uni­ver­si­tät Erlan­gen-Nürn­berg
Wet­ter­kreuz 15
91058 Erlan­gen

Tel.: +49 / (0)9131 / 85–2263‑3,-4
Fax: +49 / (0)9131 / 85–22013
Email: thomas.moelg@fau.de

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