Von Südafrika und weiter über St. Helena in die Karibik Station in Richards Bay bei Durban – ein verlorener Schuh und deutsch-französische Freundschaft – weiter nach St. Helena – von St. Helena über Fernando de Noronha und weiter nach Martinique – Besuch von Brigitte und Segeln in der Karibik
Juni 1990 Azoren
Ihr Lieben,
“Seefahrt ist Not“. Mit diesem Buch von Gorch Fock hat Christian uns eine große Freude gemacht. Auf unserem 5700-sm-Törn zur Karibik lasen wir es uns gegenseitig vor, und Kindheitserinnerungen wurden wach. Nur die vorbeiziehenden Delphine und Seevögel sahen, wie sehr es uns zu Herzen ging. Aber ich will schon wieder einsteigen in traumhaftes Passatsegeln, während der nächste Stremel erst einmal über Südafrika berichten muss.
Richards Bay, unser Ankunftshafen, liegt 70 sm nördlich von Durban und ist als Entlastungshafen für Durban gebaut worden. In gebührendem Abstand von den Industrieanlagen und dem Hafen mit den Riesenpötten hat sich der Zulu-Yacht-Club etabliert. Sehr geschützt in einem Seitenarm, haben sie eine kleine Marina eingerichtet. Der Club hält Gastliegeplätze an der Pier mit Wasser und Strom bereit. Außerdem bekommt man als Gastgeschenk eine Flasche Champus überreicht. Das Clubhaus mit Bar, Duschen, Toiletten, Werkstatt, Slip, Stehplätzen an Land und einem sehr gepflegten Grillplatz liegt inmitten einer noch weitgehend ursprünglichen Landschaft. Schlammige Wasserläufe und dichtes Buschwerk bieten einer vielfältigen Vogelwelt gute Lebensbedingungen; aber auch Krokodilen und Flusspferden. In der Regenzeit kommen die Krokodile zum Sonnen bis in Clubnähe. Während unseres Aufenthaltes erlebten wir diese Monster nicht, dafür aber diebische Affen, die sich einen Spaß daraus machten, abgestellte Provianttaschen in einem günstigen Augenblick zu durchsuchen und gezielt nur gute Sachen zu klauen. Neben diesen lustigen Gesellen gab es noch die garstigen Plagegeister, die Mosquitos, und viel später die Riesenkakerlaken, die eine Größe erreichen, dass sie vom Skipper Gassi geführt werden müssen.
Die Einkaufsmöglichkeiten, gut geführte Supermärkte, inmitten einer kleinen Ortschaft, waren 7 km entfernt. Eine Mitfahrgelegenheit gab es jedoch immer. Uns brachte schon am zweiten Tag ein junges Seglerehepaar zwei Fahrräder, so dass wir weitgehend unabhängig zum Einkaufen und in die Feldmark kommen konnten. Sie überließen uns auch ihren Wagen für Besuche in die nahe gelegenen Tierreservate und zu Ausflügen in das Zululand und nach Durban. Als wir die in den Himmel ragenden Hotelanlagen und den schmutzigen lauten Hafen in Durban sahen, wussten wir, dass unsere Entscheidung, Richards Bay als Port of Entry anzulaufen, goldrichtig gewesen war.
Vor allen Ausflügen und Radtouren stand erst einmal der Zahnarztbesuch, der für mich sehr wichtig wurde. Eine Entzündung im Kiefer hatten wir zwar auf der Reise von Réunion nach Südafrika erfolgreich mit Penicillin abklingen lassen können, aber der Weg zum Experten war nicht zu umgehen. Wir hatten trotzdem eine gute Zeit, und lernten in unserem einmonatigen Aufenthalt Land und Leute ein bisschen kennen.
Wie in vielen Teilen der Welt, so ist auch dieses Land im Umbruch. Mit großem Interesse beobachteten wir das Verhältnis der Menschen verschiedener Hautfarben zueinander und stellten für uns fest, dass alle recht freundlich miteinander umgehen. Wir wünschen diesem schönen Land, dass es die Zeit noch haben möge, die angefangene Beseitigung der Apartheidgesellschaft zu vollenden. Als wir den letzten Abend im Zulu-Yacht-Club mit vielen Seglern aus aller Welt an einer großen Back zusammensaßen, war es das große Lied “Lilli Marleen“, das uns alle in einer Sprache verband. Am 2. November 1989 verließen wir die gastfreundliche Marina und viele, viele Freunde.
Ich wollte nun die Zeit nutzen, auf dem 900-sm-Törn bis zur Cap-Region, den wir mit Harbour Hopping bewältigen wollten, meine lädierten Knieabschürfungen zu pflegen. Die hatte ich mir zugezogen, als wir beide mit unseren Rädern vom letzten Großeinkauf kamen. Schwer bepackt mit Rucksack und vielen Taschen am Lenker, versagten gerade in einem so wichtigen Moment die beiden Bremsen meines 10-Gang-Rennrades, als ich mit einem Affenzahn, verfolgt von Peter, eine Serpentine nach unten zur Hauptstraße fuhr. Inspiriert von meinem Idol, Egon Müller, bremste ich mit einem Schuh. An diesem Tag trug ich, Gott sei Dank, nicht Egons Stahlschuhe, aber immerhin solche mit Ledersohlen. Für einen Menschen, der sonst immer barfuß oder in Gummischlappen ging, eine Ausnahme. Der Crash kam, als ich das Rad gestoppt hatte, aber versuchte, die eine Plastikeinkaufstasche mit der Sahne zu retten. Die hatte sich aber so in den Speichen verklemmt, dass ich “lingelang“ auf dem Straßenpflaster landete. Mit diesen dadurch hervorgerufenen Verwundungen laborierte ich 3 Monate. Bei jedem Segelwechsel schlug ich bestimmt irgendwo gegen. Und die Segel wechseln mussten wir auf dieser Reise häufig. Oma würde sagen, “das hätte noch schlimmer kommen können!“
Schnelle Wechsel im Wettergeschehen gehören an dieser Küste zum täglichen Auf und Ab. Die Küstenfunkstellen geben laufend Wetterberichte, so dass jeder Seemann sich vor seiner Abreise informieren kann, und natürlich auch während der Reise. Auch der Blick zum Barometer darf nicht unterlassen werden. Diese Informationen zwangen uns dazu, den Hafen von Durban anzulaufen, in dem wir mitten in der Nacht bei starken Regenfällen und heftigen Sturmböen ankamen. Es war immer noch der 2. November.
3 Tage blieben wir!
Ich nutzte die guten Einkaufsmöglichkeiten in Durban und kaufte mir neue Sandalen. Für meine Füße, immerhin Größe 42, keine leichte Angelegenheit, zumal sie sich auf der Barfußroute zu richtig breiten Saugnäpfen entwickelt hatten. Ich fand ganz tolle modische Schuhe. Abends wollte ich sie ausführen. Vor lauter Überschwang flog der rechte Schuh über Bord und versank im schmutzigen Hafenwasser. Jede Rettungsaktion mit Bootshaken und Pütz schlug fehl. Mein Hilfe suchender Blick zu Peter wurde mit einem Kopfschütteln erwidert. Die Brühe war wirklich nicht einladend zum Tauchen. Cloud, ein Franzose, sah meine Betroffenheit, oder eine Träne?!….. Am 6.12.1989, 5 Wochen später, in einem kleinen Hafen hinter dem Tafelberg, in der Hout Bay, überbrachte der französische Segler mir meinen Schuh. Dieses Ereignis und die Vertiefung deutsch-französischer Freundschaft wurden abends auf “Do mi nix“ bei einem guten Essen und Wein gefeiert.
Noch aber bin ich fast schuhlos, und wir liegen gut vertäut im Päckchen an der Gastpier in Durban. Um hier auszuklarieren, muss Geduld mitgebracht werden. Peter benötigte 5 Stunden. Lange Fußmärsche von Behörde zu Behörde waren erforderlich, um dann letztendlich die Genehmigung zum Auslaufen zu bekommen. Mittags, am 5.11.1989, war es so weit. Wir hatten den richtigen Zeitpunkt gewählt, um mit achterlichem Wind an der Küste entlang gegen Süden zu segeln. Jetzt hatten wir auch noch den kräftigen Agulhasstrom mit uns, so dass unser Schiff am Hafen von East London mit 10 Knoten vorbeirauschte. Wir entschlossen uns, die ungewöhnlich günstige Situation zu nutzen und bis Port Elizabeth zu laufen. Das sind 260 sm an einer gefährlichen Küste entlang, wo schon manches Schiff verloren gegangen ist. Besonders bei SW-Sturm bauen sich hier ungewöhnlich hohe Seen auf. Der Wind drückt dann gegen den Strom, und es entsteht ein Surf, den man als Segler unbedingt meiden sollte. Wir hatten Glück und erreichten den schützenden Hafen, bevor der ungünstige Wind wieder einsetzte.
Port Elizabeth ist eine Großstadt mit 420.000 Einwohnern. Sie bietet dem Touristen viele Möglichkeiten, sich an langen Sandstränden zu erholen und Wassersport zu betreiben, aber auch – wie in jeder Klein- oder Großstadt – Golf zu spielen oder Tennis. Wer sich dagegen für Schlangen interessiert, kann im Schlangenpark alle Arten von Reptilien bewundern oder im Oceanarium Delphine und Pinguine. Unser nahm sich der Stützpunktleiter vom Trans-Ocean-Club an und wurde nicht müde, uns alles Sehenswerte dieser Stadt zu zeigen.
Port Elizabeth ist aber auch als Frachthafen bekannt. Hier wird u. a. Kohle umgeschlagen. Der Staub und der günstige Wetterbericht trieben uns aus dem Hafen zur nächsten Etappe, zur Knysna-Lagune. Sachkundige Segler hatten uns davor gewarnt, dort einzulaufen, weil, wenn der Wind auf die enge und flache Einfahrt steht, ein Hinein- oder Heraussegeln sehr schwierig sei. Wir hatten ruhiges, schönes Wetter und passierten die Enge ohne Probleme. Ein einzigartiges Panorama erwartete uns in der Lagune.
Am Fuße bewaldeter Berge erstreckt sich das Knysna-Tal. Ein Ort, den man als den schönsten Südafrikas bezeichnet. Die Lagune wird vom Knysna-River durchströmt und durch die Öffnungen zwischen den Heads, zwei hohen Sandsteinfelsen, mit der See verbunden. Eine Besonderheit dieser Region ist das hier wachsende Möbelholz aus den nahen Wäldern. Arbeitselefanten schleppen die Baumstämme zur Sägerei. Ein wunderschön angelegter Golfplatz und Wassersport jeder Art sorgen für Abwechslung. Die erstklassigen Austern aus den dortigen Farmen stellen mit Sicherheit jeden Gourmet zufrieden.
Gitta und Hans, zwei Deutsche, die seit fast 30 Jahren in Südafrika leben, holten uns gleich am Anreisetag in ihr großes Haus. Mit ihrem Landrover wurden viele, viele Exkursionen gestartet. Über zerklüftete Bergpässe ging es an Wasserfällen und reißenden Bächen vorbei zu Reservaten. Auch eine große Straußenfarm wurde besichtigt. Das Fleisch soll eine Delikatesse sein. Wir verzichteten darauf, es zu probieren. Stattdessen luden wir das Ehepaar am Abend vor unserer Abreise zu einer zünftigen Erbsensuppe “á la Anna“ ein. Als Vorgericht gab es reichlich Austern. Dazu südafrikanischen Weißwein und auf Wunsch auch Bier. Ein Fruchtkuchen aus Ananas mit Sahne, Kaffee und Cognac waren der Abschluss und der Dank an diese beiden lieben Leute.
Beim Verlassen der engen Passage kamen uns zwei riesige Wellen entgegen, die “Do mi nix“ zuerst mit gewaltiger Kraft in die Höhe hoben, um uns dann genauso schnell in das Wellental hinuntersurfen zu lassen. Als das mit leichtem Zittern unsererseits überstanden war, segelten wir ohne Probleme mit einer steifen SE-lichen Brise weiter bis zur Mossel Bay, wo wir zwei Tage ankerten. Dann aber ging es weiter mit achterlichem Wind um die Südspitze, das Cap Agulhas, und weiter in die False Bay zu dem kleinen Fischerhafen Gordons Bay, wo wir schon von dem Clubvorsitzenden und unseren Verwandten, die uns diesen Platz organisiert hatten, erwartet wurden.
Nach Knysna und Gordons-Bay verirren sich nur sehr selten Cruising-Yachten. Die Mitglieder der Segelclubs in kleinen Häfen sorgten sofort für unsere Integration in ihr Clubleben. Darüber hinaus wollten alle gern etwas für uns organisieren. So war es in Gordons Bay einmal die Familie, die nicht müde wurde, uns die nähere Umgebung der mit Wein- und Obstfarmen bekannten Gegend bis Kapstadt zu zeigen, und die Segler, die uns in ihre Familien einluden. Auf diesen Partys wurde Braai-Fleisch, wie man in Südafrika das Grillgut nennt, serviert und natürlich der aus dieser Gegend gekelterte Wein. Ob Deutsche, Buren, Engländer oder Hottentotten, alle waren gleich großartig in ihrer Gastfreundschaft. Am 5.12.1989 verließen wir mit Gästen Gordons-Bay-Hafen.
Heimweh hatte ich schon, als wir noch die imposanten Hottentotten-Holland-Berge sehen konnten und die eindrucksvolle Küstenformation dieser Bucht. “Hier überwintern können“, dachte ich, dann wurde schon der Blick zum Kap der Guten Hoffnung und auf meine Arbeiten, das Segelsetzen, gelenkt. Leider blieb uns an diesem Tag der Wind nicht treu, so dass wir das berühmte Kap und die weiteren 20 sm bis zur Hout Bay motoren mussten. Freunde hatten uns einen Adventskranz mit auf die Reise gegeben. Bei Kerzenlicht saßen wir noch einmal mit Pierre und Marie an der Back, bevor sie den Weg über Land zurück zu meiner Lieblingsbucht antraten. Nun schließt sich der Kreis zu meinem Schuh.
Am 6.12.1989, ich schrieb es schon, verbrachten wir in Weihnachtsstimmung bei einem guten Essen mit unseren französischen Freunden. Kapstadt hatten wir schon mit der Familie erkundet und uns bei diesem Besuch von American Express Post abgeholt. Vielen Dank Euch Schreibern. U. a. erhielten wir auch eine Mitteilung von einem Cape-Towner-Ehepaar, Freunde von Antje und Jürgen Schulz. Mit Gerda und Hein verbrachten wir ein paar nette Stunden. Sie konnten allerdings nicht verstehen, dass wir die Möglichkeit, Konzerte oder einen Opernabend zu erleben, nicht wahrnahmen, und dass uns nach fast 3 Jahren Segelei der Gesang und das Getöse des in den Stagen und Wanten pfeifenden Windes genügte. Überrascht waren sie noch mehr, als wir den nächsten Kurs absetzten und den 70 sm weiter nördlich liegenden Hafen Mykonos in der Saldanha Bay vorzogen und Kapstadt ausließen.
In dieser letzten südafrikanischen Marina setzte ein Travellerlift “Do mi nix“ an Land. Nach 3 Tagen schon strahlte das Unterwasserschiff mit neu gepönter Farbe, und unsere “Lady“ kam zurück in ihr Element. Bis zum Auslaufen am 24.12.1989 lagen wir an einem Schwimmsteg. Wir genossen nach vielen Ankerbuchten und Mooring-Tonnen das luxuriöse Angebot dieser Marina. Neben Wasser und Strom gab es auch einen Telefonanschluss an Bord, so dass wir unsere letzten Grüße zur Familie bequem von der Kajüte erledigen konnten.
Wir waren die erste ausländische Yacht im Hafen des Club Mykonos. Bestimmt nicht so unsere Welt; aber Freunde aus Gordons Bay hatten in dieser in griechischem Stil gebauten Ferienlandschaft ein Haus. Durch sie kamen wir zur Einladung und zu einem fahrbaren Untersatz, womit wir noch die karge Schönheit der Westküste bereisen durften. Die Einladung allerdings zum Weihnachtsfest nahmen wir nicht an. Sie verstanden unsere Begründung und respektierten unseren Wunsch, dass uns danach war, fernab vom Trubel und aller Hektik, nur wir zwei mit unserem Schiff, das Christenfest unter dem Sternenhimmel des Südatlantiks zu verbringen. Und mit dem Auslaufen am 24.12.1989 begann ein traumhafter Segeltörn. Mit 3-5 Bft. füllte der SE-Wind unsere Passatsegel und schob uns in 11 Tagen die 1800 sm bis St. Helena. Es war der 4. Januar 1990.
Genau 24 Stunden später lagen auch unsere Freunde von der “Helena-Christina“ vor Jamestown vor Anker. Die Buschtrommel hatte also funktioniert. Mit der Familie Twigt unternahmen wir erlebnisreiche Inselrundfahrten in einem 50 Jahre alten Auto. Napoleons letzte Ruhestätte wurde genauso aufgesucht wie sein Haus. Auch der schon in napoleonischer Zeit lebenden Schildkröte – Jonathan – machten wir im Garten des Gouverneurs unsere Aufwartung. Sie soll 250 Jahre alt sein.
In “Anne Place“, 150 m von der Reede entfernt, konnten wir nach Sightseeing unsere müden Beine ausruhen und uns verwöhnen lassen mit hausgemachter Kost.
5 Tage rollten wir auf Jamestowns Ankerplatz. Für das Anlandkommen sorgten rund um die Uhr Fährboote. Die Bootsführer waren gut geschulte Seeleute. Sie sahen mit ihren erfahrenen Augen, wann die Schwell es zuließ, mit dem Boot – für wirklich Sekunden – an die Jetty zu dampfen, um uns Passagieren dann die kurze Möglichkeit zu geben, die vorsorglich herabhängenden Tampen zu ergreifen und, ähnlich wie Tarzan im Dschungel, sich an Land zu schwingen. Dort angekommen, konnte der Segler über Duschen und WC zum Nulltarif verfügen. Ein weiteres kleines Häuschen hatte man liebevoll gestrichen und mit einem Schild “Loundry“ versehen.
Hier konnten die “Plünnen“ in Riesenbecken nach eigenem Vergnügen vor- und nachgewaschen werden. Wasser gab es auf dieser zauberhaften, sehr bergig schroffen Insel genug. Ein Swimmingpool lud zur Ertüchtigung ein. Eine weitere Trainingsmöglichkeit war die Jakobsleiter, die, mit 650 Stufen, zwar nicht in den Himmel ging, aber eine schnellere Möglichkeit bot, ins Oberdorf zu kommen. Uns hat zwar die steile Konstruktion fasziniert, wir ließen aber davon ab, die Treppe zu erklimmen, weil wir das unseren müden Seemannsbeinen nun wirklich nicht zumuten konnten. Nach 5 Tagen zogen wir die Segel hoch und verließen die freundlichen Einwohner von St. Helena.
Nach 12 Tagen hatten wir die nächste Etappe bis Fernando de Noronha, einer kleinen Insel 500 sm östlich von der brasilianischen Küste gelegen, geschafft. Wieder waren wir die “Fliegenden Holländer“ gewesen und hatten der “Helena-Christina“ 24 Stunden abgenommen. Beide Schiffe und ihre Crews feierten auf dieser wild rollenden Reede ihre Weltumsegelung. 25 sm vom Ankerplatz entfernt hatten wir unseren Auslaufkurs gekreuzt.
Wir hatten von einem Versorger eine Riesendose Würstchen bekommen. Mit warmem Brot und Knoblauchbutter wurde das bescheidene Mahl zu einem lukullischen Vergnügen. Natürlich dachten wir an all die Köstlichkeiten, die wir in Saldanha Bay gebunkert hatten. Noch drei Wochen nach dem Auslaufen aus Mykonos gab es noch zarte Steaks, Mettwurst und Schinken. Wir lebten wie die Made im Speck, und es tat unserer Figur gut, von Fernando ohne Dickmacher, insbesondere ohne Bier, die Reise fortzusetzen. Wieder war es der beständige SE, der uns bis an den Äquator schob; dann setzte ohne Übergang der NE-Wind seine Arbeit fort. Was für ein Segelvergnügen!!! Was für Glückskinder waren wir doch!!!
Die “Helena-Christina“ ging nicht mit uns den nördlicheren Kurs, sondern blieb vorerst im brasilianischen Current. Sie schlug nun uns um 24 Stunden.
Wir brauchten 14 Tage bis Fort de France/Martinique. Laute Discomusik empfing uns, Jahrmarktgedudel dazu. Die Bucht lag voll von Yachten. Peters Kommentar war: “Nun bin ich 5700 sm gesegelt, habe ein traumhaftes Land und nette Leute verlassen, um hier von einer unerträglich lauten Musik um den Schlaf gebracht zu werden.“ Es war der 10. Februar 1990.
Am 25.02.1990 feierten wir Peters Geburtstag im Kreis der Cruising-Familie. Die Crew von der “Helena-Christina“ holte uns schon ganz früh mit einem Ständchen aus der Koje. Mit Unterstützung des Schifferklaviers sang die Familie lauthals den auf der Weltumsegelung entstandenen “Do mi nix“-Waltz. Abends kam unsere Freundin Brigitte aus Deutschland mit vielen Grüßen von der Familie und Freunden dazu. Im Gepäck hatte sie Marzipan, Kaffee, Mettwurst und Whisky. Was für ein ereignisreicher, fröhlicher Tag.
Wir segelten mit Brigitte in den 5 Wochen zu den Inseln Dominica, Iles des Saintes, Antigua, St. Barths und St. Maarten. Eine Wochenendsegelei führte uns noch zur Insel Anguilla. In vortouristischer Zeit erfüllten diese Inseln bestimmt all das, was des Seglers Herz begehrt: Ruhige Ankerbuchten und Badestrände, intakte Umwelt, klares, sauberes Wasser. Geblieben sind angenehme Temperaturen und der preiswerte Rumpunsch zur “Happy Hour“.
Wir grüßen ganz herzlich von den Azoren. Wir fühlen uns hier sauwohl. Und dabei soll es bald “Rolling Home“ heißen!!