Ihr Lieben,
am 29. Juni dieses Jahres nahm unser Seeabenteuer mit unserer “Do mi nix“ nach 3 Jahren und 5 Tagen am Tiessen-Kai in unserem Wohnort Holtenau sein glückliches Ende.
Abb. 32: Schon gehört? – Kieler Nachrichten 29.06.1990
Nun liegt unser Schiff, die “Do mi nix“, nach 45.000 Seemeilen gut vertäut am Steg der Schleuseninsel Holtenau, geschmückt mit Luftballons und bunten Flaggen und freut sich wie wir auf eine lange Bauernnacht, um sich von dem unglaublich beeindruckenden Empfang des vergangenen Tages zu erholen.
Während “Do mi nix“ sanft gegen die Poller gedrückt wird und ihr Wasserpass mit dem Bewuchs aus Atlantik und Nordsee vielen Enten und Schwänen ein reiches Angebot an Fressbarem bietet, rolle ich mich in meiner gemütlichen Koje friedlich zusammen und weiß, dass Peter in dieser Nacht genau wie ich durch Zeit und Raum segeln wird. Wie oft, besonders in stürmischen, dunklen Nächten auf See, hatte ich mir die Heimkehr in den Heimathafen ausgemalt. Was sich dann aber an diesem denkwürdigen Tag ereignete, übertraf alles für uns Dagewesene.
Schiffe und Boote auf Holtenau-Reede ließen ihre Sirenen ertönen. Die Kapelle unseres Sportvereins schmetterte dazu flotte Weisen. Die Menschen auf der Pier schwenkten Transparente, klatschten Beifall, riefen unsere Namen und warfen uns beim Festmachen Blumensträuße ins Cockpit.
Aus der Masse der vielen Gesichter kristallisierten sich dann all die lieben Menschen, mit denen wir vor unserer Reise schon Jahrzehnte einen gemeinsamen Weg gegangen waren. Unter Hochrufen sprangen wir an Land, und Umarmungen und Händeschütteln nahmen kein Ende. Als ich von einer Journalistin gefragt wurde, was ich über den Empfang sagen könnte, fielen mir nur die Worte ein: “Ich bin platt!“
All unsere Ängste, die auf der Reise von den Azoren zum Festland Europa in einer kleinen Zusammenfassung ins Tagebuch geschrieben wurden, fegten die Holtenauer mit ihrer überschäumenden guten Laune über Bord. Trotzdem möchte ich Euch die Eintragung nicht vorenthalten:
“Ich bin auf See, um mich herum die Weite des Meeres, Delphine kreuzen unseren Bug. Voller Lebensfreude schnellen sie aus dem Wasser. Die Welt ist schön. Ich fühle mich frei.
Eine kühle Brise weht aus dem Norden. Das Boot gleitet wie schwerelos dahin. Die Segel sind prall gefüllt. Nur leise knarrende Geräusche hört man aus dem Rigg. Die Welt ist groß. Ich fühle mich frei.
Wolken ziehen über den blauen Himmel. Die Kimm scheint das riesige Gewölbe zu begrenzen. Hin und wieder zeigt sich die Sonne. Sie hilft uns den Weg nach Europa zu finden. Wie sauber ist hier die Welt.
Noch fühle ich mich frei. Wir sind auf der Heimreise. Was erwartet uns dort nach so langer Zeit?
Ich habe Angst vor der Enge, vor den Menschenmassen, vor den vielen Bestimmungen und vor der Politik.
Wie sieht die Welt dort aus? Fühle ich mich dann noch frei?“
Wir haben unsere “Do mi nix“ keine 500 Meter von unserem Haus entfernt am Seglersteg vertäuen dürfen. Dadurch behalten wir Kontakt zu unserem Schiff und können darüber hinaus das Boot sehr bequem winterklar machen, d. h. alle beweglichen Sachen von Bord nehmen. Nur unser alternatives Leben, sonnendurchtränkt und von einer gleichmäßigen Müßigkeit geprägt, lassen wir in den Schapps und Spinte zurück, …. vorerst. Wir wohnen wieder in unserem Haus in der Königstraße 14a in Kiel-Holtenau und genießen die Bequemlichkeit, die durch Öl, Elektrizität und Wasser zu jeder Minute 24 Stunden verfügbar sind.
Wir möchten es Euch wissen lassen, dass wir wieder sesshaft sind und uns über Euren Besuch freuen würden. Jeder von Euch auf unserer Reise um die Welt war wichtig und weckt in uns Erinnerungen an unvergessene Stunden, die mit Sicherheit einen besonderen Schatz darstellen.
Ob wir uns frei fühlen? Wir beide möchten Euch sagen, wir haben erfahren, dass sich Träume verwirklichen lassen und mit einem gepackten Seesack im Rücken und unserer “Do mi nix“ zusammen könnten wir wieder den “Treck“ beginnen, um zu sehen, wie die Freiheit hinter der Kimm aussieht.
Herzliche Grüße!
Auf ein Wiedersehen in alter Verbundenheit freuen sich Elke und Peter